St. Raphael

Tradition Katholischer Schulen in Frankfurt

Historie

Als erste und traditionsreichste Schule in katholischer Trägerschaft in Frankfurt am Main findet man die Salvator-Stift-Schule mit einem Eintrag vom 1. September 852. Andere Quellen nennen erst das Jahr 876 und als Gründer dieser Schule Kaiser Ludwig den Deutschen, ein Enkel Karls des Großen. Diese Schule, deren Profil aus heutiger Sicht und auf Basis der Quellenlage schwer zu charakterisieren ist, verändert ihren Namen 1255 in Bartholomäus- Stift-Schule. 1790 wiederum, verbunden mit einer Verortung im Dominikanerkloster benennt sie sich in Collegium Friedericianum um. Schließlich, ab 1814 und bis zu ihrer Schließung 1941, firmiert die Schule als Selektenschule.

Im Jahre 1826 errichtete Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess der Schule ein neues klassizistisches Gebäude auf dem Liebfrauenberg. 1908 erfolgte abermals ein Umzug in die Nähe der 1907 fertiggestellten Kirche St. Bernhard (Adresse Eiserne Hand). 1919 wurde der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Frankfurts Rechtsträger der Schule. 1926 feierte man das 1050. Jubiläum. Zuletzt war die Selektenschule als Jungenschule ein sechsklassiges Progymnasium. 1925 wurde festgelegt, dass, wenn die Gesamtschülerzahl 120 Schüler unterschreitet, also pro Klasse weniger als 20 Schüler vorhanden sind, die Stadt ermächtigt ist, die Schule in eine andere Schulform zu verwandeln. Bei Wegfall einer Klasse oder von Schulraum war der Stadt Frankfurt gestattet, diesen Raum zu entziehen, d.h. die Dotation konnte wegfallen.

1938 verbot die Nazi-Schulaufsicht der Schule, 30 Schüler im neuen Schuljahr aufzunehmen. Dadurch sank der Schüleranteil auf unter 120 Schüler, bzw. es blieb eine Klasse unbesetzt. Daraufhin forderte die Stadt Frankfurt und deren Nazi-Magistrat das Gebäude zurück. In der sich anschließenden gerichtlichen Auseinandersetzung konnte sich unter den obwaltenden Umständen und wenig überraschend der Gesamtverband der Kirchengemeinden (in der Klage gegen die Schulaufsicht, Regierungspräsident Hessen-Nassau, einerseits und den Vermögensträger, Stadt Frankfurt, andererseits) nicht durchsetzen. Die Schüler wurden der Musterschule zugeschlagen. Durch diese „Nazi-Taktik“ war der „Fremdkörper“ (Zitat, 14.2.1940) beseitigt.

Eine weitere Schule in katholischer Trägerschaft war die Schule der Rosenberger Einigung (1452 bis 1808), in der Folge als „Höhere Mädchenschule“ der Englischen Fräulein mit der Adresse Oeder Weg. Die Idee der „Höheren Mädchenschule“ der Englischen Fräulein (Maria- Ward-Schwestern) wurde in den Jahren 1879 bis 1881 zum Ursprung der heutigen in Trägerschaft des Bistums Limburg befindlichen St. Angela Schule in Königstein im Taunus, seinerzeit in Trägerschaft der Frankfurter (später Königsteiner) Ursulinen. Auch in Frankfurt am Main gab es bis 1941 einen durch den Nazi-Magistrat beendeten Schulbetrieb.

Abschließend ist die Domschule zu nennen, eine Volksschule (nach heutigem Verständnis Grundschule). Sie war Dotationsschule der Stadt Frankfurt am Main und wurde von der Stadt ebenfalls im Jahre 1941 geschlossen. Die neu gegründete St. Raphael Schule als erster Schulbestandteil des Campus St. Raphael würde bei ihrer voraussichtlichen Eröffnung zum Schuljahr 2023/24 an eine alte und zugleich reiche Tradition katholischer Schulen in Frankfurt am Main anknüpfen, welche durch das Dritte Reich eine jähe und bis heute andauernde Unterbrechung erlitten hat.